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Schnür die Schuhe und runterkommen: Was die Wissenschaft über Bewegung und Angstabbau sagt
Münchens Fitnesskultur ist mehr als ein Lebensstil, für tausende Einwohner wird regelmäßige Bewegung zunehmend zu einem Mittel der Wahl gegen chronischen Stress und Angstzustände.
Wie wir berichtet haben

Eine einzige 30-minütige aerobe Einheit kann Angstsymptome bis zu 24 Stunden lang reduzieren. Diese Erkenntnis aus Metaanalysen, die in der Fachzeitschrift Frontiers in Psychiatry veröffentlicht wurden, verändert die Art und Weise, wie Kliniker in deutschsprachigen Städten mit Patienten über psychische Gesundheit sprechen, und Münchens bereits aktive Bevölkerung könnte besser als die meisten in der Lage sein, sie zu nutzen.
Der Zeitpunkt ist entscheidend. Die deutsche Krankenkasse DAK-Gesundheit berichtete in ihrem Gesundheitsreport 2025, dass stressbedingte Krankheitstage bei erwerbstätigen Erwachsenen im Vergleich zu 2022 um 11 Prozent gestiegen sind, wobei Angststörungen in mehreren Großstädten inzwischen mehr Arbeitsausfälle verursachen als Rückenschmerzen. Die Kosten für Arbeitgeber allein in Bayern beliefen sich 2024 auf über 1,4 Milliarden Euro. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forderung, körperliche Aktivität nicht als Luxus, sondern als Rezept zu betrachten, deutlich an Fahrt.
Was in München vor Ort passiert
Der Englische Garten, der sich auf rund 370 Hektar im Herzen der Stadt erstreckt, ist seit langem Münchens inoffizielles Fitnessstudio im Freien. An jedem Wochentagmorgen sind die Wege zwischen dem Kleinhesseloher See und dem Monopteros voller Läufer, Radfahrer und Freiwasserschwimmer, die selbst in kühleren Monaten den Eisbach trotzen. Was sich in letzter Zeit geändert hat, ist die organisierte Ebene, die sich nun über diese informelle Kultur legt.
Das städtische Referat für Gesundheit und Umwelt mit Sitz an der Bayerstraße startete im Januar 2026 eine erweiterte Version seiner Initiative Bewegung als Therapie und arbeitet dabei mit sechs kommunalen Sportvereinen in Schwabing, Sendling und Maxvorstadt zusammen, um subventionierte Gruppenfitnesseinheiten anzubieten, die speziell für Erwachsene mit leichten bis mittelschweren Angstzuständen konzipiert sind. Die Teilnehmerzahl im ersten Quartal erreichte 1.200 registrierte Besucher, doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Die Münchner Volkshochschule mit ihrem Hauptcampus am Gasteig HP8 in Haidhausen hat ihr Programm „Psychische Gesundheit durch Bewegung“ ebenfalls erweitert. Das Frühjahrssemester 2026 umfasste 14 separate Kursformate, die atemfokussierte Bewegung, Yoga und leichtes Krafttraining kombinieren. Die Preise reichen von 9 € für eine einzelne Schnupperstunde bis zu 78 € für einen Acht-Wochen-Kurs, was den Zugang über alle Einkommensschichten hinweg breit hält.
Warum Bewegung wirkt, und warum sie kein Wundermittel ist
Der biologische Mechanismus ist recht gut verstanden. Aerobes Training löst die Ausschüttung von Endorphinen und dem Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) aus, der das Wachstum neuer neuronaler Verbindungen im Hippocampus fördert, einer Region, die an der emotionalen Regulation beteiligt ist. Wiederholte Einheiten scheinen die Cortisolreaktion des Körpers neu zu kalibrieren, sodass die physiologische Reaktion auf Stressoren mit der Zeit weniger akut wird.
Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024 in The Lancet Psychiatry fasste Daten aus 97 randomisierten Studien zusammen und fand heraus, dass strukturierte körperliche Aktivität die Angstscores im Vergleich zu Kontrollgruppen um durchschnittlich 26 Prozent senkte, ein Wert, der über Altersgruppen, Fitnessniveaus und darüber hinweg Bestand hatte, ob die Teilnehmer eine klinische Diagnose hatten oder lediglich selbst von erhöhtem Stress berichteten. Entscheidend ist, dass der Nutzen bereits nach nur zwei Einheiten pro Woche auftrat, wobei die Gewinne bei etwa vier bis fünf Einheiten ein Plateau erreichten.
Allerdings ist Bewegung bei mittelschweren oder schweren Fällen kein Ersatz für professionelle Behandlung. Wer unter anhaltenden Angstzuständen, Schlafstörungen oder Panikattacken leidet, sollte einen Hausarzt kontaktieren oder auf Münchner Angebote wie die Psychologische Beratungsstelle am Rindermarkt 6 in der Altstadt zurückgreifen, die Erstgespräche nach ermäßigtem Tarif anbietet. Die Wartezeit auf einen ersten Termin beträgt derzeit durchschnittlich drei bis vier Wochen.
Für diejenigen, die klein anfangen möchten, verweisen Gesundheitsexperten durchweg auf Beständigkeit statt Intensität. Ein zügiger 35-minütiger Spaziergang entlang der Isar, von der Insel des Deutschen Museums südlich in Richtung Thalkirchen, dreimal pro Woche ist ein glaubwürdiger Ausgangspunkt, keine Mitgliedschaft im Fitnessstudio erforderlich. Das Referat für Gesundheit und Umwelt gibt einen kostenlosen Routenführer heraus, der im März 2026 aktualisiert wurde und in seinen Büros oder über das städtische Portal muenchen.de erhältlich ist. Die Beweislage spricht dafür, dass der erste Schritt der schwerste ist. Danach erledigt die Chemie einen Teil der Arbeit.